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Ronald Hartwig's Datenverarbeitungen

Wenn dein Joghurt mit dir spricht: Infoday über aktuelle Möglichkeiten zur EU-Forschungsförderung —

networkLetzten Mittwoch lud die Forschungsförderungs-gesellschaft (FFG) wieder einmal ins Tech Gate in Wien zum Informationstag über aktuelle EU-Fördermöglichkeiten im Forschungsbereich. Ich nutze solche Gelegenheiten gerne, um wieder einmal auf den neuesten Stand zu sein, Hintergrundinfos zu bekommen und in eventuell in den Pausen mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Und ich denke, diesmal hat es sich wieder einmal gelohnt – hier ein Bericht über die Highlights.

Der 5.Call im 7.Rahmenprogramm steht vor der Tür. Ab 31.Juli kann man einreichen, am 26.Oktober geht der Rollladen runter. 722 Millionen € vergibt die EU für die bestgereihten internationalen Forschungsprojekte. Das ist gar nicht so viel, verglichen mit dem, was die USA angeblich derzeit in die Forschung hineinbuttert.

Rückschau

Den Anfang machte Michael Wiesmüller vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Er bot Zahlen und Fakten zur Performance österreichischer Partner in den bisherigen Calls des 7.Rahmenprogramms. Titel seiner Präsentation: Vom Imitator zum Vorreiter. Wir erfahren, dass österreichische Partner und KoordinatorInnen schon seit Jahren (gemessen am BIP-Anteil) üerdurchschnittlich gut abschneiden. Besonders in den 3 Themenbereichen Digital Libraries, Sematics und Embedded Systems Design gehören sie zu den besten Europas. Dröselt man die Zahlen auf die Bundesländer auf, sieht man Wien weitaus an der Spitze, aber auch Steiermark (hohe Beteiligungsrate) sowie Salzburg und Kärnten (hohe Koordinatorendichte) konnten sich gut positionieren. Auffällig ist, daß das Burgenland als einziges Bundesland bisher am 7.Rahmenprogramm überhaupt nicht beteiligt war – findet dort Technologieforschung wirklich nicht statt?  Erfolgreichster Einreicher ist die TU Wien, gefolgt von der TU Graz und der Uni Innsbruck.

Für mich überraschend war dann der Befund zu den neuen EU-Mitgliedern (“EU-12”). Nach anfänglich guter Beteiligung in den letzten Jahren hat diese in den ersten Calls des 7. Rahmenprogramms stark nachgelassen – die Integration ist ins Stocken geraten. Das war dann auch der Grund, warum bei diesem Informationstag einige SprecherInnen aus Polen, Slowenien, Tschechien und der Slowakei eingeladen waren, um den Österreichischen Teilnehmern “ihre” Keyplayer im Forschungsbereich und deren Schlüsselkompetenzen vorzustellen.

Neuerungen im 5.Call

Michael Arentoft, Head of Unit bei der Europäischen Kommission, bot danach einen Führer durch das Arbeitsprogramm 2009-2010, mit Schwerpunkt auf den in Kürze geöffneten 5.Call und den 6.Call, der dann ab April 2010 offen sein wird. Im Grunde sind das lange Listen mit Themenschwerpunkten und “Objectives”, also Zielen, die damit erreicht werden sollen – recht trockene Materie. Hier nur eine kurze Auflistung der heißen Forschungsthemen, die die EU im Moment für förderungswürdig hält:

  • The Network of the Future
  • Internet of Services, Software, and Virtualisation
  • Internet of Things and Enterprise Environments
  • Trustworthy ICT
  • “Future Internet”
  • Cognitive Systems, Interaction, and Robotics
  • Nanoelectronics Technology
  • Engineering of Networked, Monitoring and Control Systems
  • Photonics
  • Microsystems and Smart Miniatured Systems
  • Digital Libraries and digital Preservation
  • Technology-Enhanced Learning
  • Intelligent Information Management
  • Virtual Physiological Human
  • ICT for the “Mobility of the Future”
  • ICT for Independent Living, Inclusion and Participatory Governance
  • Factories of the Future
  • Energy-Efficient Buildings
  • “Green Cars”

Future Internet: Wo steht Europa?

Ein Schwerpunkt des kommenden Calls, das Konzept des “Future Internet”, wurde danach im Rahmen einer Parallelsession näher unter die Lupe genommen. David Kennedy, Geschäftsführer der Eurescom und sehr aktiver Teilnehmer an den europäischen Diskussionen zum Thema, lieferte eine spannende und interessante Präsentation (Download pdf) zum Thema: Was ist das Future Internet? – beziehungsweise, fast noch wichtiger: Was versteht die Europäische Kommission darunter, und wo will sie hin?Foto: Michael Heilemann/Creative Commons, siehe http://www.flickr.com/photos/heilemann/231641275/

Die Grundannahme besteht darin, daß sich das Internet, das eigentlich Ende in den 60er und70er Jahren des 20.Jahrhunderts für den Informationsaustausch designt wurde, sich höchst dynamisch und  auf unvorhersehbare Weise entwickelt hat und mittlerweile sämtliche Lebensbereiche des Menschen tangiert. Nicht nur globale Finanztransaktionen werden damit abgewickelt, es wird auch bereits von demokratischen Wahlen und von Monitoring des Gesundheitszustandes von Risikopatienten gesprochen. Vom “Internet of Things” ist die Rede, in dem jedes Joghurt eine IP-Adresse besitzt und etwas zu erzählen hat. Das Problem dabei: Das Internet (und hier sind vor allem die Grundlegenden technischen Protokolle TCP/IP usw. gemeint) ist von Grund auf dafür nicht gebaut. Die Protokolle sind auch ökologisch nicht mehr effizient: Computer verständigen sich untereinander in einer redundanten, energieverschwendenden Art und Weise und sind daher nicht mehr zeitgemäss. Im “Future Internet” fragt man sich nun: Wie müssen Netze, Infrastrukturen, Architekturen und Protokolle aussehen, damit sie zukunftstauglich werden und das tägliche Leben tatsächlich verbessern können?

Eine wichtige Rolle spielt dabei Vertrauen. David Kennedy brachte das gut auf den Punkt, indem er auf die Frage “Is there an Internet Problem?” zwei Antworten bereit hält:

  • NO! We can do what we want.
  • YES! We can do what we want.

Die aktuellen Diskussionen in Deutschland (Stichwort “Zensursula“)  veranschaulichen diese Problematik sehr gut, denke ich.

Beim “ersten” Internet waren die USA Vorreiter, während Europa die Entwicklungen weitgehend übernahm. Im Future Internet soll Europa nun eine Vorreiterrolle übernehmen – so will es zumindest die Europäische Kommission.  Die EU fördert Forschung in diesen Bereichen in den nächsten beiden Calls mit 190 Millionen €. Einen Effekt davon erwartet sie sich in den Jahren 2015-2020.

Sämtliche Präsentationen dieser Veranstaltung kann man sich von der FFG-Website herunterladen.

Version:1.0 StartHTML:00000120 EndHTML:00008352 StartFragment:00000546 EndFragment:00008316 Generator:Evernote2.2 Wenn dein Joghurt mit dir spricht: die Zukunft des Internet und das Potenzial eines erweiterten Europa.

Ein Bericht vom Infoday des FFG im Tech Gate über aktuelle Fördermöglichkeiten
Letzten Mittwoch lud die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) wieder einmal ins Tech Gate zum Informationstag über aktuelle EU-Fördermöglichkeiten im Forschungsbereich. Ich nutze solche Gelegenheiten gerne, um wieder einmal auf den neuesten Stand zu sein, Hintergrundinfos zu bekommen und in eventuell in den Pausen mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Und ich denke, diesmal hat es sich wieder einmal gelohnt – hier ein kurzer Bericht davon. Wer mehr davon erfahren will, kann sich sämtliche Präsentationen auf der FFG-Website herunterladen (http://rp7.ffg.at/ikt_Call5_Infoday)
Der 5.Call im 7.Rahmenprogramm http://cordis.europa.eu/fp7/home_de.html steht vor der Tür. Ab 31.Juli kann man einreichen, am 26.Oktober geht der Rollladen runter. 722 Millionen € vergibt die EU für die bestgereihten internationalen Forschungsprojekte. Das ist gar nicht so viel, verglichen mit dem, was die USA angeblich derzeit in die Forschung hineinbuttert.
Rückschau
Den Anfang machte Michael Wiesmüller vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie
http://www.bmvit.gv.at/. Er bot Zahlen und Fakten zur Performance österreichischer Partner in den bisherigen Calls des 7.Rahmenprogramms. Titel seiner Präsentation: Vom Imitator zum Vorreiter. Wir erfahren, dass österreichische Partner und KoordinatorInnen schon seit Jahren (gemessen am BIP-Anteil) üerdurchschnittlich gut abschneiden. Besonders in den 3 Themenbereichen Digital Libraries, Sematics und Embedded Systems Design gehören sie zu den besten Europas. Dröselt man die Zahlen auf die Bundesländer auf, sieht man Wien weitaus an der Spitze, aber auch Steiermark (hohe Beteiligungsrate) sowie Salzburg und Kärnten (hohe Koordinatorendichte) können sich gut positionieren. Auffällig ist, daß das Burgenland als einziges Bundesland bisher am 7.RP überhaupt nicht beteiligt war. Erfolgreichster Einreicher ist die TU Wien, gefolgt von der TU Graz und der Uni Innsbruck.
Für mich überraschend war dann der Befund zu den neuen EU-Mitgliedern (“EU-12”). Nach anfänglich guter Beteiligung in den letzten Jahren hat diese in den ersten Calls des 7. Rahmenprogramms stark nachgelassen – die Integration ist ins Stocken geraten. Das war dann auch der Grund, warum bei diesem Informationstag einige SprecherInnen aus Polen, Slowenien, Tschechien und der Slowakei eingeladen waren, um den Österreichern “ihre” Keyplayer als Partner schmackhaft zu machen.
Neuerungen im 5.Call
Michael Arentoft, Head of Unit bei der Europäischen Kommission, bot danach einen Führer durch das Arbeitsprogramm 2009-2010, mit Schwerpunkt auf den in Kürze geöffneten 5.Call und den 6.Call, der dann ab April 2010 offen sein wird. Im Grunde sind das lange Listen mit Themenschwerpunkten und “Objectives”, also Zielen, die damit erreicht werden sollen. Hier nur eine kurze Auflistung der “heissen” Forschungsthemen, die die EU im Moment für förderungswürdig hält:
The Network of the Future
Internet of Services, Software, and Virtualisation
Internet of Things and Enterprise Environments
Trustworthy ICT
“Future Internet”
Cognitive Systems, Interaction, and Robotics
Nanoelectronics Technology
Engineering of Networked, Monitoring and Control Systems
Photonics
Microsystems and Smart Miniatured Systems
Digital Libraries and digital Preservation
Technology-Enhanced Learning
Intelligent Information Management
Virtual Physiological Human
ICT for the “Mobility of the Future”
ICT for Independent Living, Inclusion and Participatory Governance
Factories of the Future
Energy-Efficient Buildings
“Green Cars”
Future Internet: Wo steht Europa?
Ein Schwerpunkt des kommenden Calls, das Konzept des “Future Internet”, wurde danach im Rahmen einer Parallelsession näher unter die Lupe genommen. David Kennedy, Geschäftsführer der Eurescom
http://www.eurescom.eu/ und sehr aktiver Teilnehmer an den europäischen Diskussionen zum “Future Internet”, lieferte eine spannende und interessante Präsentation
http://rp7.ffg.at/upload/medialibrary/08_David_Kennedy_Future_Internet_Austria_010709_final_OK.pdf zum Thema: Was ist das Future Internet? – beziehungsweise, fast noch wichtiger: Was versteht die EU darunter?
Die Grundannahme besteht darin, daß sich das Internet, das eigentlich Ende in den 60er und70er Jahren des 20.Jahrhunderts für den Informationsaustausch designt wurde, sich höchst dynamisch und  auf unvorhersehbare Weise entwickelt hat und mittlerweile sämtliche Lebensbereiche des Menschen tangiert. Nicht nur globale Finanztransaktionen werden damit abgewickelt, es wird auch bereits von demokratischen Wahlen und von Monitoring des Gesundheitszustandes von Risikopatienten gesprochen. Vom “Internet of Things” ist die Rede, in dem jedes Joghurt eine IP-Adresse besitzt und etwas zu erzählen hat. Das Problem dabei: Das Internet (und hier sind vor allem die Grundlegenden technischen Protokolle TCP/IP usw. gemeint) ist von Grund auf dafür nicht gebaut. Die Protokolle sind auch ökologisch nicht mehr effizient: Computer verständigen sich untereinander in einer redundanten, energieverschwendenden Art und Weise und sind daher nicht mehr zeitgemäss. Im “Future Internet” fragt man sich nun: Wie müssen Netze, Infrastrukturen, Architekturen und Protokolle aussehen, damit sie zukunftstauglich werden und das tägliche Leben tatsächlich verbessern können?
Eine wichtige Rolle spielt dabei Vertrauen. David Kennedy brachte das gut auf den Punkt, indem er auf die Frage “Is there an Internet Problem?” zwei Antworten bereit hält:
1) NO! We can do what we want.
2) YES! We can do what we want.
Die aktuellen Diskussionen in Deutschland (Stichwort “Zensursula”) http://www.zensursula.net/ veranschaulichen diese Problematik sehr gut, denke ich.
Beim “ersten” Internet waren die USA Vorreiter, während Europa die Entwicklungen weitgehend übernahm. Im Future Internet soll Europa nun eine Vorreiterrolle übernehmen – so will es zumindest dei EU.  Die EU fördert Forschung in diesen Bereichen in den nächsten beiden Calls mit 190 Millionen €. Einen Effekt davon erwartet sie sich in den Jahren 2015-2020.


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