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VUE und Prezi: 2 Tools zur Visualisierung und Präsentation von Konzepten —

vue_mapIdeen entwickeln, Konzepte erstellen und visualisieren, Projekte planen und vor anderen Leuten präsentieren: wer mit solchen Aufgaben häufig konfrontiert ist, weiß ein gutes Concept-Mapping-Tool zu schätzen. Hier stelle ich zwei kostenfrei erhältliche Exemplare vor: Das Visual Understanding Environment (kurz VUE) und Prezi.

Concept Maps helfen dabei, Informationen und deren Zusammenhänge leichter erfassbar – und dadurch auch leichter anderen gegenüber kommunizierbar – zu machen, indem sie grafisch als Schaubild dargestellt werden. Im Grunde sind sie eng mit den immer populärer werdenden Mindmaps verwandt, die dank ausgereifter Software  (Mindmanager, Xmind, Mindmeister…) langsam aber sicher zum Teil des Arbeitsalltags werden. Beide Arten von Maps arbeiten mit Informationshäppchen (“Nodes”), die zueinander in Beziehung (“Relations”) gesetzt werden. Während sich die Mindmaps aber auf hierarchische Beziehungen ausgehend von einem definierten Zentrum beschränken, werden in den Concept Maps die Beziehungen meist “definiert”. Es muss bei Concept Maps auch kein eindeutiges Zentrum geben, sie können auch völlig dezentral aufgebaut werden. Insofern sind Mindmaps in ihrer Funktionalität mehr eingeschränkt, Concept Maps flexibler; Programme zur Erstellung von Concept Maps befinden sich von der Funktionalität/Flexibilität irgendwo zwischen den Mindmappern und herkömmlichen Chart-Zeichenprogrammen wie MS Visio.

400px-Concept-Map

Beispiel für eine Concept Map (aus: Wikipedia)

Meiner Meinung nach sind diese Unterschiede aber marginal und spielen letztlich kaum eine Rolle: man kann jedes erdenkliche Konzept so oder so modellieren. Eigentlich machen Concept Maps das, was bei Mindmaps so schön einfach ist, wieder eine Spur komplizierter; dafür sehen sie nicht so einförmig aus. Der Grund, warum ich gerade diese zwei Lösungen hier vorstelle, ist ein anderer: aus ihnen können recht einfach und flexibel Präsentationen generiert werden, sie machen damit gleich eine Präsentationssoftware a la Powerpoint überflüssig.

VUE

Das Visual Understanding Environment (VUE, ausgesprochen wie “View”) entstand an der amerikanischen Tufts University. Dabei ging es darum, “flexible Werkzeuge für die Verwaltung und Integration digitaler Ressourcen zu entwickeln, die Lehren, Lernen und Forschung/Recherche unterstützen sollen“. Ursprung und Einsatzgebiet des Tools ist also der akademische Bereich. Das hat den Vorteil, dass VUE kostenfrei unter einer Open-Source-Lizenz für alle gängigen Betriebssysteme (Windows, MacOS, Linux) zum Download bereit steht. Die Bedienung ist sehr einfach zu begreifen und steht in punkto Usability kommerziellen Programmen um nichts nach. Einziger Nachteil: die Software (und sämtliche Benutzungsanleitungen) gibt es derzeit nur in englischer Sprache.

Ähnlich wie in MS Visio oder Mind-Mapping-Programmen definiert man Informationshäppchen (“Nodes”), verschachtelt sie oder setzt sie in Beziehung zueinander, versieht sie mit Kommentaren, importiert Fotos oder externe Grafiken oder setzt Weblinks. Daraus entstehen Schaubilder oder Wissenslandkarten. Will man eine Präsentation zusammenstellen, dann gestaltet man die Nodes als einzelne Präsentationsfolien. Anders als bei Powerpoint ist man aber nicht auf eine lineare Abfolge der Nodes beschränkt: Man kann etwas mit dem “Big Picture” beginnen und dann in einzelen Bereiche hineinzoomen. Man kann auch mehrere “Pathways” definieren und so aus einer VUE-Datei mehrere Präsentationsversionen, etwas für verschiedene Zielgruppen, generieren.

Website Storyboard in VUE

Website Storyboard in VUE

Arbeitet man einmal mit komplexeren Conceptual Maps, befindet man sich fast schon in der Welt der Ontologien. Eine Ontologie ist eine konzeptuelle Definition eines Wissensgebiets und ein zentrales Element des “Semantic Web”, das ja schon seit Jahren als zukunftsträchtige Weiterentwicklung des World Wide Web gilt. Eine Erläuterung des Semantic Web würde hier zu weit führen, jedenfalls unterstützt VUE auch den Import von RDF-Dateien und Ontologien, die in den gebräuchlichsten Definitionssprachen RDF-S und OWL geschrieben sind. Jetzt eher noch ein Randthema, kann so eine Schnittstelle in ein paar Jahren schon eine nützliche Sache sein.

VUE dient als akademische Anwendung auch als Spielwiese, um neue Konzepte visueller Darstellung auszuprobieren. Konzepte auszuarbeiten und Präsentationen zu erstellen sind nur zwei bespielhafte Anwendungsmöglichkeiten – der Phantasie ist hier keine Grenze gesetzt. Dementsprechend laden die Macher von VUE ein zum Dialog mit den Usern ein; ein paar exemplarische Maps sind hier zu finden.

Prezi

Aus einer Prezi Präsentation

Aus einer Prezi Präsentation

Änhlich wie VUE bietet auch Prezi eine Gestaltungsoberfläche, auf der einzelne Informationshäppchen gezeichnet und durch Relationen verbunden werden können (die Relationen kann man auch weglassen, wenn man sie nicht braucht). Man könnte Prezi auch als VUE mit reduziertem Funktionsumfang sehen, das ganz auf den Präsentationsaspekt zugeschnitten ist. Prezi ist eine reine Online-Anwendung, die im Browser läuft: Was Mindmeister im Bereich der Mindmapper ist, ist Prezi also bei den Präsentationstools.

Genau genommen ist Prezi auch gar keine Concept-Map-Applikation. Der Begriff wird nirgends verwendet, da in der Regel keine Relationen zwischen den einzelnen Informationshäppchen definiert werden. überhaupt ist bei Prezi alles auf schnelle, intuitive Verständlichkeit und Praxistauglichkeit ausgerichtet, auf einen theoretischen Rahmen der Informationsvisualisierung wird hier gänzlich verzichtet. Dafür bietet das Tool grafisch wunderbar gelöste Möglichkeiten zum schier unendlichen Hinein- und Hinauszoomen inklusive einem einzigartigen Steuerelement namens “Transformation Zebra”.  Wie VUE kann man aber auch Pfade vordefinieren und so eine lineare Präsentation à la Powerpoint zimmern.

Grafische Brillianz und spielerische Leichtigkeit spielen eine wichtige Roll bei Prezi, was vor allem bei Business-Präsentationen gut ankommt, wo man eher klotzen als kleckern will. Darin besteht hier aber auch die Gefahr: Genauso wie einem Powerpoint die “Bullet Point”-Denkweise aufzuzwingen versucht, wird man bei Prezi leicht dazu verleitet, Effekthascherei zu betreiben und die ZuhörerInnen eher mit grafischen Effekten zu beeindrucken, wobei der Fokus auf die Inhalte verloren geht. Aber vielleicht ist das auch nur eine Gewöhnungssache: Bei der fünften Prezi-Präsentation würden mich die atemberaubenden Zooms wahrscheinlich schon weniger ablenken.

Anders als VUE ist Prezi ein kommerzielles Unterfangen, d.h. die Basisfunktionalität plus 100MB Webspace sind  frei, während fortgeschrittene Funktionen nur zur Verfügung stehen, wenn man eines der kostenpflichtigen Abos kauft, z.B. kriegt man für knapp 40 eur pro Jahr den fünffachen Webspace und darf das Prezi-Logo aus den Präsentationen entfernen. Auch Prezi gibt es bis dato nur in englischer Sprache.

Mich würden eure Erfahrungen mit diesen oder ähnlichen Tools interessieren: Was hält ihr von den vorgestellten Tools? Welche verwendet ihr wozu? Was bewährt sich, wenn ihr langfristiger damit arbeitet? Was gibt es noch für Alternativen?

Einige weiterführende Links:

Artikel zu VUE
Artikel zu Prezi
Five best Mind Mapping Applications (Lifehacker)
Seth Godin über “Really Bad Powerpoint”


Kategorien: Allgemein | Informationstechnologien | Projektmanagement

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