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Dim Locator: “I ate the knife/Undone” 7inch single review —

Dim Locator: I ate the knifeDim Locator bringen den Kern zum Schmelzen. CD-Review, erschienen im Skug.

‘I ate the knife, and the knife won’, eine ungewöhnliche Metapher für das Eintauchen in eine Liebesaffäre ohne Zukunft, für das Sich-Verlieren in einer Romanze, deren Ende vom Anfang an absehbar hätte sein sollen – für den Moment, in dem der Traum endet und der Albtraum beginnt. Die Zeile stammt von Rowland S. Howard, dem zu früh verstorbenen Ausnahmegitarristen, der neben einer Menge unvergleichlicher Gitarrenlicks auch eine Handvoll großer Songs hinterlassen hat. Auf der vorliegenden 7-inch-Vinylsingle, erschienen auf Peter Nachtnebel’s Themenlabel ‘Coverrecordings’, versucht das in Berlin und Prag heimische Trio Dim Locator eine Neuinterpretation zweier RSH-Songs. Dim Locator, selbst zu zwei Dritteln in RSH’s Heimatstadt Melbourne geboren, und nicht zufällig nach einem Birthday-Party-Song benannt, kann man ein gewisses Naheverhältnis zur Materie nicht absprechen. Dementsprechend respektvoll und werksgetreu gehen sie zur Sache. Der schwere, schleppende Groove von ‘I ate the knife’ wird noch eine Spur zugespitzt, während Phil Shoenfeldt’s Gesang die Distanz wahrt und gar nicht erst versucht, das Drama in Howard’s Stimme zu imitieren – was auch nicht notwendig ist, den Shoenfeldt ist selbst ein ganz großer Sänger, der dem Song einen anderen Charakter verleihen kann. Das gleiche gilt auch für das zweite Stück, ‘Undone’, ein elegantes Walzerstück von RSH’s Solo-Album ‘Teenage Snuff Film’ in ähnlicher Stimmungslage. Dim Locator versuchen gar nicht erst, die Stücke irgendwie umzudeuten, aber es gelingt ihnen ganz hervorragend, ihren Kern zum Glühen zu bringen.


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