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The Field: “Looping state of mind” CD Review —

Album Cover The Field - Looping state of mind

Für sein drittes Abum wählte der Schwede Axel Willner aka The Field einen programmatischen Titel, der seine grundlegende Arbeitsweise wiederspiegelt: Willner wühlt in der Plattenkiste der Musikgeschichte nach geeigneten Samples, die er dann zu Loops verarbeitet und übereinanderschichtet, bis sie zu eigenwilligen, durchaus pop-affinen »Wolpertingers of Sound« werden, die dennoch die unverkennbare Handschrift des Schweden tragen. Diese CD-Kritik erscheint in SKUG #89 im Jänner 2012.

Was sich bei Curd Duca seinerzeit in kurzen, lapidaren Miniaturen manifestierte, die oft nicht einmal die 1-Minuten-Grenze überschritten, wird bei The Field zu schier endlosen Minimal-Techno-Symphonien, die den Geist von Steve Reich atmen, in denen sich die Stücke nur langsam durch Ein-und Ausfaden der Loops weiterentwickeln, sodasss man die Veränderungen bewusst oft gar nicht wahrnimmt. Dabei entfaltet sich aber ein Melodienreichtum, wie ihn nur ein wahrer Pop-Enhusiast schaffen kann. Vor allem die klug gesetzen Vocalsamples und -Loops tragen dazu bei. Werner Voigt alias The Gas ist ein anderer Geistesverwandter.  Nicht zufällig sind die beiden Labelkollegen auf Kompakt Records.

Nachdem 2007 The Field’s Debutalbum »Here we go sublime«, das komplett auf dem Computer entstanden war,  einiges Aufsehen erregt hatte, begann Alex Willner seine Produktionsmethoden zu erweitern und auch analoge Instrumente einzubeziehen. 2009 erschien »Yesterday and Today«, das stellenweise mit einem echten Drummer aufwartete und die inzwischen hochgeschraubten Erwartungen an ein The Field-Album gut erfüllte.

Auch »Looping State of Mind« führt den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Kein Stück ist kürzer als siebeneinhalb Minuten. Live ist The Field mittlerweile zur Band geworden. Die Sounds sind vorwiegend weich, melodiebetont und schrammen manchmal nur knapp am Kitsch vorbei. Die Drum-Rhythmen sind näher am Krautrock der Siebziger Jahre als am Techno und House der jüngeren Vergangenheit. Der Einstieg mit den beiden Tracks »Is this Power« und »It’s up there« wirkt etwas schlapp, erst die nächsten drei Tracks, darunter auch das Titelstück, zeigen The Field auf dem Niveau der Vorgängeralben. »Then it’s white«, der vorletzte Track, bildet den hübschen Ruhepol des Albums, mit Satie-Piano und verhalltem Crooning. Das Schlußstück »Sweet Slow Baby« bringt die ungewöhnlichsten Momente des Albums: Ein scheinbar zufällig gesetzter Drumloop erzielt den Effekt einer hängengebliebenen Schallplatte, der dahinstolpernde Rhythmus liefert die Basis für ein fast hymnisches Stück, das wohl auch ewig so weitergehen könnte, würde irgendwann nicht jemand den Ausknopf betätigen. »Looping State of Mind« ist ein durchaus gelungenes Album, wenn auch nicht ganz so zündend wie die beiden Vorgänger.


Kategorien: Musik

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